Chronik der historischen Mönchmühle

Die Geschichte einer der ältesten Wassermühlen Brandenburgs, erbaut von den Zisterziensermönchen des Klosters Lehnin

Urkundlich belegt ist, dass das Kloster Lehnin durch Tausch im Jahre 1242 das Dorf Schönerlinde im Niederbarnim nebst dazugehöriger Wassermühle (Mönchmühle) als Besitztum erhielt. In dieser Zeit entstand zur Bewirtschaftung der Barnimer Güter des Klosters an der viel befahrenen Heerstraße auf der Feldmark zwischen Schönerlinde (heute Gemeinde Wandlitz) und Buchhorst (heute Gemeinde Mühlenbecker Land) der Schönerlinder Wirtschaftshof des Klosters. Zu diesem Wirtschaftshof (lateinische Bezeichnung: Grangia) gehörte auch die Mönchmühle. Vom Schönerlinder Hof aus verwalteten die Zisterzienser die Klosterdörfer Schönerlinde, Basdorf und Wandlitz. Der genaue Standort der Grangia ist nicht mehr bekannt. Ein verlandeter, stark verschilfter Pfuhl wurde als Ort genannt, an dem der Hof versunken sein soll. Erzählt wird von einem im See untergegangenen Kloster, von dem aus ein unterirdischer Gang zur alten Mönchmühle geführt haben soll.

 

1230 - 1517
Die Mönchmühle (heute Gemeinde Mühlenbecker Land) ist vermutlich davor von den Zisterzienser–Mönchen um 1230 erbaut worden. Die an den Holztüren der Mühle angegebenen Jahreszahlen könnten das Jahr der Gründung (1224) und das Jahr der Inbetriebnahme (1234) darstellen. Es entstand zunächst ein Staudamm von 100 m Länge, 20 m Breite und mit einer Pegeldifferenz von ca. 4 m. Hierzu mussten bis 15.000 m³ Erde und Steine bewegt werden, um die Geländestruktur den Erfordernissen entsprechend zu gestalten. Eine außergewöhnliche Leistung. Mit diesem Damm und dem entstandenen Teich konnte die notwendige Wasserreserve für einen konstanten Mahlbetrieb gesichert werden. Unmittelbar an den Deich schließen die Felssteinfundamente des Mühlengebäudes an, sodass die Staumauer gleichzeitig die Kellerwand darstellt. Diese Fundamente haben bis heute unverändert standgehalten, während das Mühlengebäude im Laufe der wechselvollen, fast 800-jährigen Geschichte Veränderungen erfahren hat. Auf der Dammkrone wurde später die Straße angelegt, die vor dem Mühlengebäude vorbei zum Wirtschaftshof nach Schönerlinde sowie nach Schildow und Mühlenbeck führt.

Der Abfluss des Mühlenbecker Sees, das Tegeler Fließ, trieb die alte Mühle über ein oberschlächtiges Wasserrad bis ca.1925 an. Während Mühlentechnik und Wasserrad wohl über die Jahrhunderte immer wieder erneuert werden mussten, blieb die Grundidee und der Standort der Mühle so erhalten, wie ihn die Mönche geplant und ausgeführt hatten.

Im Jahre 1455 wird festgestellt, dass sich die „Monchmole“ mit Mühlenteich auf dem Besitz des Bürgers Brakow in der Feldmark Schildow befindet. 1459 entbrennt ein Grenzstreit zwischen Schildow, Schönerlinde und Mühlenbeck. Er endet mit einem Vergleich zwischen Schildow und Schönerlinde.

1473 verkauft das Kloster Lehnin die Mühle für 40 Schock Brandenburgische Münze an Andreas Bodecker unter Vorbehalt des Vorkaufsrechts, Abt Gallus bestätigt den „Contrakt“.

1507 scheint die Mühle bereits wieder im Besitz des Klosters Lehnin zu sein.

1517 verkauft das Kloster die Mühle erneut an einen gewissen Albrecht Holzendorf zu einem Preis von 57 Schock Brandenburgische Münze. Durch die unter dem Kurfürst Joachim II. ausgerufene Reformation, verlieren die Mönche endgültig den Einfluss auf die Mühle. Nur der Name Mönchmühle besteht bis heute durch alle Zeiten. Alle künftigen Besitzer nennen sich Mönchmüller.

 

1517 - 1900
Die Mühlengeschäfte gehen gut, zumal der damals praktizierte „Mahlzwang“ den Kundenkreis festlegt.

1591 hat die Mühle zwei Wassergänge, dem Müller gehören etliche Äcker und drei Wiesen.

1624, während des Dreißigjährigen Krieges, zählt das Anwesen drei Bewohner.
Am 16.Mai 1659 soll ein neuer „Erbkaufcontract über Rechte und Verbindlichkeiten der Mönchmühle“ geschlossen worden sein, der aber nicht mehr auffindbar ist.

Den Dreißigjährigen Krieg übersteht die Mühle, die 1664 der Verwaltung des Kurfürstlichen Amts Mühlenbeck unterstellt wird, offenbar unbeschadet.

Das gab es also schon einmal!

23. July 1712, schreibt der Mönchmüller Johann Grüwel an seinen „Allerdurchlauchtigsten großmächtigen König ...Die durch den Herrn Oberforstmeister von Jurgas und Herrn Ambtmann Fabricius zu Mühlenbeck verrichtete Besichtigung hat es gezeiget, daß meine dort gelegene Mönchs Mühle so wohl was die Gebäude, als das gehende Werk ... betrifft unumgänglich von Grund aus neu erbauet werden muß, weil alles verfault...“

Grüwel bittet um Bauholz sowie den Erlass von Pacht, Steuern und Kornabgaben.

1747 wird dem Erben des Johann Grüwel, Andreas Grüwel, das Recht zugesprochen, eine weitere Mühle am Mühlenbecker See zu errichten. Ihm werden die Weide- und Fischereirechte zugesprochen. Diese neue Mühle wird 1755 an den Sattler und Lederfabrikanten Peter Friedrich Damm verkauft. (heute Dammsmühle)

1801 erwähnt das „Ortslexikon“ die Existenz einer Wassermühle und einer Windmühle unweit von Mühlenbeck, zur Mönchmühle gehörig.

Am 4. Februar 1819, bricht auf der Mönchmühle ein Feuer aus und zerstört das Wohnhaus und einen großen Teil der Wirtschaftsanlagen, darunter ein zweigängiges bedeutendes Mahlwerk. Ein Jahr später ist die Mühle unter dem Mühlenmeister Elendt wieder aufgebaut, jedoch stark verschuldet.

1856 ist ein gewisser Wienicke der Besitzer der Mühle, er bewohnt die Mönchmühle mit seiner achtköpfigen Familie.

1860 erwähnt das „Ortslexikon“ für die Mühle zwei Wohnhäuser und neun Wirtschaftsgebäude.

1875 erwirbt der Stadtälteste Theodor Sahlfeld Soldin das 300 Morgen große Mühlengrundstück, das von seiner Erbengemeinschaft um die Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert parzelliert und verkauft wird.

 

1900 – 2010
Die idyllische Lage und die gute Verkehrsverbindung über die „Heidekrautbahn“ (Inbetriebnahme 1901) haben viele Berliner angezogen, aus einigen der Wochenendurlauber werden feste Siedler. Die Mühle mit Gasthof im Schatten von mehrhundertjährigen Linden und Platanen wurde zum beliebten Ausflugsziel der Großstädter, die zu Fuß, mit Kremsern oder auch später mit Automobilen den alten Postkutschenweg oder auch per Heidekrautbahn hierher kamen. Auch für die neuen Siedler, deren Zahl von Jahr zu Jahr zunahm wurde die alte Mönchmühle zum Mittelpunkt für kulturelle Veranstaltungen im Vereinsleben.

1900 geht die Mönchmühle in den Verwaltungsbereich des Amtes Oranienburg über und wird erst 1930 wieder in Mühlenbeck eingemeindet.

Seit 1922 ist Martin Schrödter Besitzer der Mühle. Um diese Zeit muss auch der Umbau des Hauptantriebes, vom Wasserrad zur Wasserturbine, später zu einem Elektromotor erfolgt sein.

1945 wird der Mühlenbesitzer enteignet, der Mühlenbetrieb vom Verwalter weitergeführt.

1948 geht die Mühle in Volkseigentum über und setzt ihre Arbeit als VEB (k) Mönchmühle fort. Erster Betriebsdirektor des VEB ist Werner Friedrich aus dem Ort Mönchmühle. Ihm folgt ab 1952 bis 1973 Fritz Tietz aus Mönchmühle. Der Betrieb untersteht zunächst dem Kreis Oranienburg und ab 1969 dem VEB Kombinat Getreidewirtschaft Rangsdorf bzw. Potsdam. Das Wirtshaus, zunächst noch in privater Hand des Wirtes Erich Ronneberger, wird später von der HO (Handels-Organisation) übernommen. Am 31.03.1973 wird der Mühlenbetrieb endgültig eingestellt. Die noch vorgesehene Nutzung zur Lehrlingsausbildung kommt nicht mehr zum Tragen. Zu dieser Zeit hat die alte Mühlentechnik in Deutschland längst ausgedient und moderne, leistungsfähigere Mühlen beherrschen in zunehmendem Maße das Bild.

Bis 1998 wird die Mühle noch als Wohnhaus genutzt, dann wird es endgültig still um die alte Mühle. Witterungsbedingter Verfall und Vandalismus haben das ehrwürdige Anwesen geschändet, das über hunderte von Jahren durch viele Generationen fleißiger Menschen erbaut und unter schwierigeren Bedingungen, als wir sie heute kennen, erhalten wurde.

Nach 1990 wird diese Immobilie wieder interessant und es zeichnet sich nach dem Verkauf durch die TLG an eine Investorin ein gutes Konzept ab. Leider kann es nicht verwirklicht werden, wie auch ein zunächst viel versprechender Anlauf von den Mühlenpflegern aus Berlin, die hier einen Mühlenstützpunkt für das nördliche Brandenburg errichten wollten.

Am 31.03.2004 gründet sich der Förderverein „Historische Mönchmühle e.V.“. Geboren aus einer von Reinhard Wittig aus Schildow initiierten Bürgerinitiative, die sicht zum Ziel gesetzt hat, den weiteren Verfall des historischen Bauwerks aufzuhalten. Daran knüpft auch der Verein an. Es gibt aber auch weiterreichende Pläne, nach denen die Mühle zu einem kulturellen Zentrum im Mühlenbecker Land entwickelt werden soll. Seit Ende Mai 2009 ist der Förderverein auch als Eigentümer der Mühle im Grundbuch eingetragen.

Leitschnur des Vereins bleibt, dass die wechselvolle Geschichte der Mönchmühle eng mit der Entwicklung der heutigen Ortsteile der Gemeinde Mühlenbecker Land verbunden ist und sie wieder ihrer Rolle als beachtenswertes Denkmal und Kommunikationszentrum der Region gerecht werden soll.

Die geschichtliche Übersicht basiert auf einer Zusammenstellung von Reinhard Wittig in der vom Förderverein herausgegebenen Broschüre: Die Mönchmühle, Mönchmühle 2005. Sie wurde von Carla und Dr. Horst Tammer entsprechend dem aktuellen Stand im Jahre 2010 ergänzt.

Quellenangaben:
Moser, S.: Geschichten(n) rund ums Mühlrad, Evangelische Kirchengemeinde Mühlenbeck, 1994
Wittig, R.: Materialien zu eigenen Recherchen im Berliner Stadtmuseum und Archiven des Landes Brandenburg (im Besitz des Verf.)
Tammer, C. und H.: Protokolle zu Zeitzeugenbefragungen und Recherchen im Archiv der Gemeinde Mühlenbecker Land, 2007 – 2009 (im Besitz der Verf.)

 

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